Arte: "Und sie dreht sich doch"
Regie: Franz Fitzke



Fragen und Antworten zu Meyls Erdexpansions-Hypothese

Von Prof. Dr. Erhard Wielandt, Geophysiker, Universität Stuttgart



Vorbemerkung:

Auf der Erde beobachtet man sowohl Dehnungs- wie auch Kompressionstektonik. Bis zur Entdeckung der Plattentektonik glaubten daher einige Tektoniker an die Erdexpansion und andere an eine Schrumpfung der Erde, je nach dem geographischen Arbeitsgebiet des Einzelnen. Die Plattentektonik hat vor einem halben Jahrhundert diese Diskussion beendet. Sie wurde seither durch direkte Messung der Plattenbewegungen und überwältigende indirekte Evidenz bestätigt. Nur noch Außenseiter wie Prof. Meyl graben die alten, längst widerlegten Vorstellungen wieder aus.


Frage: Ist Subduktion jemals beobachtet oder gemessen worden?

Selbstverständlich. Die Konvergenz der Platten kann durch absolute Ortsbestimmung mit verschiedenen Verfahren (VLBI - Very Long Baseline Interferometry, SLR - Satellite Laser Ranging, DORIS - Doppler Orbitography etc., GPS - Global Positioning System) innerhalb weniger Jahre genau gemessen werden. Im folgenden Diagramm sieht man, dass sich die Osterinsel (Station eisl) mit ca. 10 cm/Jahr nach Osten bewegt, während Südamerika nur geringfügig nach Norden driftet. Allein hier verschwinden also 10 cm/Jahr im Erdumfang. Ähnlich sieht es auf der anderen Seite des Pazifik aus. Damit haben sich Meyls 19 cm/Jahr in Nichts aufgelöst.


gps

Stationsgeschwindigkeiten abgeleitet aus 10 Jahren globaler GPS-Daten. Zum Vergleich sind die
Geschwindigkeiten des internationalen Referenzsystems ITRF2000 und dem aus geologischen Daten gewonnenem Modell NUVEL-1A angegeben. Aus dem Bericht der GeoForschungsZentrums Postdam.

 
Dass die Platten in den Erdmantel eintauchen und mit welcher Geschwindigkeit sie das tun, zeigen unter anderem die Herdmechanismen der an den Subduktionszonen entstehenden Erdbeben. Auch der Akkretionskeil der vom Meeresboden abgeschabten Sedimente, den man reflexionsseismisch sehr klar sichtbar machen kann, lässt keine andere Interpretation zu. Die höhere Dichte der abtauchenden Platte bildet sich deutlich in der erhöhten Schwerkraft ab. Der Vulkanismus oberhalb der Subduktionszonen wird durch das in die Tiefe mitgeschleppte Wasser ermöglicht, das Schmelzen bei niedriger Temperatur ermöglicht. Und so weiter und so weiter.


Frage: gibt es physikalische Beweise?

Mathematik und Physik, selbst auf elementarem Niveau, waren noch nie Meyls Stärke. Hier verwechselt er Geschwindigkeit und Beschleunigung. Normalerweise weiß jeder Autofahrer, dass das zweierlei ist. Die Erde dreht sich heute um 0.7 Sekunden pro Jahr langsamer als vor über hundert Jahren, als die Sekunde festgelegt wurde als 1/86400 der damaligen Tageslänge. Das heißt, die Länge eines Jahres hat sich jedes Jahr um etwa sechs Millisekunden verlängert, nicht um 0.7 Sekunden wie Meyl sagt! Der „physikalische Beweis“ ist ein also Beweis des Gegenteils. Übrigens hat sich in den letzten Jahren die Rotation wieder etwas beschleunigt, daher gibt es weniger Schaltsekunden als früher. Ursache sind vermutlich Massenverlagerungen in Atmosphäre und Ozean.

Übrigens würde sich der postulierte Massenzuwachs der Erde selbstverständlich unmittelbar auf die Schwerkraft und die Umlaufzeiten aller Erdsatelliten einschließlich des Mondes auswirken. Diesen auffälligen Effekt müssen die Geodäten und Astronomen wohl verschlafen haben


Frage: Wie sehen die mathematischen Ergebnisse aus?

Dazu können wir nur sagen: GIGO (garbage in - garbage out). Der falsche Wert für die Verlangsamung der Rotation passt wunderbar genau mit der falschen Ausdehnung des Äquators zusammen. Die letztere ist inzwischen zu einem „von der NASA gemessenen Wert“ mutiert. Er kommt allerdings, wie Meyl uns selbst verrät, nur dadurch zustande, dass der entgegengesetzt gleich große Wert für die Subduktion nicht berücksichtigt wurde. Nach derselben Logik müsste der Schwarzwald längst kilometertief unter Wasser stehen, denn jedes Jahr fällt dort mehr als ein Meter Regen!


Frage: Wo soll der Massengewinn herkommen?

Herr Bruhn hat nachgerechnet, dass nach den aus der Neutrinophysik bekannten Daten der Erdumfang durch Neutrinoabsorption jährlich um 2 x 10-19 mm zunehmen könnte. Also 1021 oder tausend Milliarden Milliarden mal weniger als Meyl glaubt: http://www.geophysik.de/message/btg19.htm


 


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