Arte: "Und sie dreht sich doch"
Regie: Franz Fitzke


Die Sandkastenspiele von Prof. Jacob
und die Gebirgsbildung



Bekanntlich entstehen Gebirge durch Auffaltung. Da die Erdexpansions-Theorie eine aufplatzende Erde annimmt, hat sie Probleme die Gebirgsbildung zu erklären. Prof. Jacob ist dazu etwas ganz Besonderes eingefallen.  Text zum Film:


Sprecher: "Er (Prof. Jacob) füllte feinen Sand in ein Glas in dem oben und unten Elektroden aus Metall eingesetzt waren. Den eingefüllten Sand hat Jacob durchfeuchtet. Dann das Glas verschlossen und die Elektroden mit einer 1.5 V Batterie verbunden.

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Abbildung aus der Arte-Sendung "Und sie dreht sich doch". Man erkennt die beiden runden Elektroden und die Zuleitungsdrähte. Während der "Gebirgsbildung" sind die Elektroden vermutlich übereinander angeordnet.


Sprecher: "Zunächst bildet sich eine Schicht aus Eisensalz. Durch Ausfällung von Mineralien entstehen bänderartige Strukturen. Die hier ablaufenden elektrochemischen Prozesse waren bislang kaum bekannt. Jacobs  Experimente könnten daher wegweisend sein, für die Geologie.

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Sandgefüllte Gläser mit durch Elektrolyse entstandenen Mustern.
Aus der Arte-Sendung "Und sie bewegt sich doch"

Prof. Jacob: "Diesen Prozess kann man vergleichen mit Prozessen der Strukturbildung durch Selbstorganisation. Die eingesetzten Feldstärken durch die Taschenlampenbatterie sind weitaus schwächer als sich die Feldstärken in der Natur messen lassen."

Sprecher: "Dennoch wuchsen im Glas entgegen der Schwerkraft Falten und sogar Berge. In der Natur wurden sie dann durch Erosion freigelegt. Prof. Jacob ist überzeugt, dass an der Gebirgsbildung nicht nur die mechanischen Kräfte der Tektonik beteiligt sind, sondern auch elektrisch verursachte Strukturbildungsprozesse."

Prof. Jacob.: "Das gilt auch für große Gebirge wie die Alpen.und den Himalaya und mit dieser Möglichkeit der Erklärung von Faltengebirgen hat die Theorie der Erdexpansion eine weitaus bessere Möglichkeit Gebirgsbildungen zu erklären als jede andere geologische Theorie."

Kritik:

Was Prof. Jacob hier vorführt, ist eine ganz gewöhnliche Elektrolyse. Das Wasser enthält natürlich Salze, die die Leitfähigkeit des Sandbreis bedingen. Das Eisen der Elektroden und das Kupfer der Zuleitungsdrähte wird durch die Elektrolyse gelöst. Dabei entstehen farbige Eisen- und Kupferionen. Wird die Lösung dabei schwerer, so können die Schlieren in der Flüssigkeit absinken. Sie bilden dann die nach unten reichenden farbigen Bereiche.  Andererseits kann eine Erwärmung durch den Strom auch zu aufsteigenden Schlieren führen, die sich dann als  "Berge" abzeichnen. Bei der Elektrolyse werden auch OH-Ionen gebildet, die mit den Metallsalzen schwerlösliche Hydroxyde bilden. Je nach Versuchsbedingungen scheiden diese sich auch als Muster ab. Der Sand spielt bei der Elektrolyse keine Rolle. Er wirkt aber stabilisierend auf die Schlieren und verhindert eine Durchmischung der Flüssigkeit.

Jabos Bemerkung: "Die eingesetzten Feldstärken durch die Taschenlampenbatterie sind weitaus schwächer als sich die Feldstärken in der Natur messen lassen." ist falsch. Bei den Versuchen wurde ein Feld eingesetzt von ca. 1,5 Volt pro 5 cm, also etwa 30 Volt pro Meter. Wo findet man in der Natur Feldstärken im Boden, die höher sind? Das wäre eine ideale Energiequelle. Mit zwei Metallstäben, die man im Abstand von 10 m in die Erde treibt, könnte man einen Strom 300Volt gewinnen. Dass solche elektrischen Feldstärken bei Gewittern auftreten kann hier außer Acht bleiben.

Die Behauptung: "Dennoch wuchsen im Glas entgegen der Schwerkraft Falten und sogar Berge." ist ebenfalls falsch. Ob hier irgendetwas entgegen der Schwerkraft wuchs, könnte man nur zeigen, wenn man die lokalen Dichten (und Temperaturen) der aufsteigenden Lösungen messen würde.

Falsch ist auch die Behauptung des Sprechers: "Die hier ablaufenden elektrochemischen Prozesse waren bislang kaum bekannt.". Diese Vorgänge sind trivial und die Einzelheiten sind seit mehr als 150 Jahren bekannt. Jeder Gymnasiast lernt sie im Chemieunterricht.

Mit Gebirgsbildung haben die Versuche nichts zu tun. Man könnte die netten Strukturen als Bilder von Bergen bezeichnen. Wenn Prof. Jacob der Meinung ist, dass sich auf diese Weise Gebirge auffalten könnten, dann hätte er doch mindestens nachweisen müssen, dass sich die Oberflächen seiner Sandmassen aufwölben und auf den Oberflächen Falten gebildet werden.  Er hätte auch nachweisen müssen, dass dabei so gewaltige Kräfte wirksam werden, wie sie zu einer Auffaltung von Gebirgen erforderlich sind.




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